Immer wieder höre ich Diskussionen über die Art und Weise wie Pilates Lehrer in Gruppenkursen die Übungen am besten Anleiten sollen.

Sollen die Übungen mitgemacht werden? Soll man nur verbal unterrichten? Wie viel Hands on Korrekturen sollen gegeben werden?

Im Einzeltraining auf der Matte und vor allen an den Geräten ist es einfach. Ich kann den Kunden die ganze Zeit über individuell ansprechen. Ich kann in anfassen und führen. Sehr komplexe Abläufe oder neue Übungen kann ich teilweise auch kurz einmal zeigen. Wenn ich das Gerät für den Kunden eingestellt habe verzichte jedoch ich meist darauf. Überhaupt habe ich in 27 Jahren Pilates gelernt, die meisten Anweisung ausführlich und verständlich rein verbal anzuleiten.

Aber wie sieht es nun in Gruppenkursen aus?

Um es vorweg zu nehmen, ich bin ein absoluter Anhänger des vorwiegend verbalen Anleitens und ich erwarte dies auch von meinen Ausbildungsschülern in den Ausbildungen, Lehrproben und Prüfungen.

Aber warum?

Weil es dafür einige ganz wichtige Gründe gibt. Der einfachste Grund: Weil ich es von Romana und meinen anderen Lehrern so gelernt habe. 🙂

Im Gruppentraining im Pilates Studio habe ich meist 3-5 Teilnehmer vor mir, bei Gruppenkursen im Fitnessstudio sind es oft 20 und mehr Teilnehmer. Um allen Teilnehmern mit ihren Einschränkungen und den unterschiedlichen Level gerecht werden zu können, benötige ich den absoluten Überblick und möchte jeden Teilnehmer im Augenwinkel behalten könnten.

Deshalb bevorzuge ich einen Frontalunterricht. Da die Teilnehmer in der Regel in der Rückenlage beginnen wähle ich eine erhöhte Position, d.h. ich setze mich meist auf einen Stuhl oder einen großen Gymnastikball oder sitze auf dem Cadillac. So kann ich meinen Radarblick ständig kreisen lassen und sehe, ob meine Teilnehmer mir folgen können und die Übungsanweisungen korrekt ausführen.

In den vielen Jahren habe ich geübt, meine Anweisungen vom Leichten zum Schweren, vom Wichtigen zum weniger Wichtigen zu geben. Ich stelle mir vor, einem Blinden die Anweisungen zu geben: Zuerst erkläre ich die Grundposition, dann bringe ich die Teilnehmer in die Übungsposition, dann wird die Bewegung angeleitet, dann die Atmung konkretisiert und dann gebe ich im Übungsverlauf Korrekturen oder Verbesserungs- und Intensivierungsanweisungen. Wenn alle Teilnehmer im Fluss der jeweiligen Übungen sind, kann ich unter Umständen bei einzelnen Teilnehmern noch taktil korrigieren. Aber auch das setze ich dosiert ein um alle Teilnehmer immer im Blick zu halten. Sobald ich herumgehe habe ich einzelne Teilnehmer immer Rücken und sehe sie nicht mehr.

Was ich mache, wenn ein Teilnehmer partout nicht versteht was ich von ihm will?

Nun ich sage Alles immer mehrmals, mit unterschiedlichen Begriffen, unterschiedlichen Bildern und ganz unterschiedlichen Sätzen. Erst wenn gar nichts geht, gehe ich zum Kunden und korrigiere taktil. In der Regel ist das nur sehr selten nötig.

Je nach Level des Kurses versuche ich im Flow zu bleiben und den Übungs- und Bewegungsablauf nicht zu unterbrechen. Bei neuen oder besonders komplexen Übungen lasse ich meine Kunden auch schon einmal unterbrechen, sich aufsetzen und ich zeige dann etwas, deute etwas an oder demonstriere an einem anderen Teilnehmer. Manchmal lasse ich auch fortgeschrittenere Teilnehmer etwas vorzeigen und erkläre dabei.

Warum ich das so mache?

Nun, ganz einfach. Wir wollen in jeder Übung eine korrekte Körperausrichtung trainieren. Es gibt mit Ausnahme von einzelnen sitzenden und stehenden Positionen keine Übungsstellungen wo die Teilnehmer mich sehen können ohne sich zu verdrehen. Auch ich sehe, wenn ich die Übungen korrekt demonstriere nicht alle Teilnehmer, kann also keine individuellen sondern nur vorbeugende allgemeine Korrekturen geben.

Was ist mit Teilnehmern, die eher der visuelle Lerntyp sind?

Nun, die muss ich langsam abholen und behutsam und genau anleiten, ihnen vor Allem aber erst einmal die Angst nehmen, etwas falsch zu machen. Vielleicht muss ich sie auch manchmal ermahnen, nicht nach rechts und links ab zu schauen, sondern sich selbst und meiner Stimme zu vertrauen. Einer einer Lieblingssätze in diesem Zusammenhang ist: „Habe keine Angst etwas falsch zu machen, ich gebe alle Anweisungen langsam und Step by Step, sogar mehrfach. Und solltest Du wirklich einmal etwas falsch verstehen, dann bin ich sofort bei dir und helfe dir.“

Neben der Kontrolle gibt es übrigens noch einen weiteren ganz wichtigen Grund, warum ich ein Verfechter des verbalen Unterrichtens bin: Unsere Pilates Übungen sollen immer vom Kopf gesteuert werden,. „Es ist der Geist, der sich den Körper formt“, diese Schiller Zitat nutzte J. Pilates gerne und auch von Romana hörte ich es ständig. Im Moment, wo meine Teilnehmer meine Anweisungen zunächst verstehen müssen, um sie dann im Kopf in ein Bewegungsbild zusammenzusetzen, sind sie ganz konzentriert bei sich und der Übung. Logisch, dass die dann meist eine bessere Qualität hat als beim bloßen Nachmachen.

Abschließend habe ich durch den ruhigen Flow meiner Anweisungen, sowie durch die Art und Weise meine Stimme zu modulieren immer die Chance eine besonders ruhige konzentrierte Unterrichtsatmosphäre zu schaffen.
 

Besonders Pilates Group Fitness Trainer sollten immer wieder daran denken, dass Pilates keine Bauch-Beine-Po Stunde ist, sondern ein ganzheitliches MindBody Training. Es erfordert eine andere Unterrichtsmethodik als traditionelle Group Fitness Kurse.

Ich gebe Euch den Tipp : traut Euch verbal zu unterrichten! Es ist nicht so schwer wie man am Anfang denkt und es hat wirklich große positive Effekte auf die Qualität Deines Unterrichtes.

Von Sten Kuth

2 Gedanken zu „Pilates Gruppenkurse / Methodik: Wie soll ich die Übungen anleiten?“
  1. Du sprichst mir aus dem Herzen, lieber Sten!
    Genauso unterrichte ich auch. Warum? Weil auch ich es so gelernt habe 😉
    Sehr hilfreicher Blog, für alle die, die ihre Ausbildung beginnen, mittendrin sind oder bereits unterrichten und ihren Unterricht auf einen neuen, qualitativ höheren Level heben wollen.
    LG Elizabeth

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