In letzter Zeit erreichen mich immer wieder Anfragen von Pilates Lehren und Übenden bezüglich einer scheinbar nie endenden Diskussion:

Was ist die richtige Becken- und Wirbelsäulenausrichtung im Pilates?

Nun, es würde definitiv den Rahmen dieses Blogartikels sprengen, würde ich detailliert dazu Stellung beziehen. Es wäre ein eigenes kleines Buch wert.

Die Antwort ist nämlich nicht ganz einfach und eindeutig. Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir gerne eindeutige Antworten und klare Regeln haben. Regeln, die wir schön in unsere Klassen 1:1 übernehmen können.

Es gibt jedoch nicht nur „schwarz und weiß“, nicht nur „entweder, oder“, es gibt ganz viel dazwischen. Genauso, wie unsere Kunden verschieden sind, aufgrund ihres Körpers, eventueller Krankheiten und Einschränkungen, ihres Lerntyps oder ihrer motorischen Fähigkeiten.

Lasst uns niemals vergessen, dass J. Pilates nur ganz selten Gruppenkurse unterrichtet hat. Jeder Kunde bekam von ihm ein eigenes, individuelles Programm. Er soll sogar für einzelne Kunden eigene Geräte und Hilfsmittel entwickelt haben.

Wir beschäftigen uns heute zum Glück mehr mit der „Diversität der Körper“. Gruppentrainings können dieser Individualität nur teilweise gerecht werden. Deshalb sind es vor allem die Gruppen Matten Trainer die immer wieder nach einer klaren Regel suchen ob „neutral“ oder „imprinted“ unterrichtet werden soll.

Nun ich will Euch in diesem Artikel wenigstens eine kleine Regel mit auf den Weg geben:

Beides ist korrekt „Imprint“ und „Neutral“!

Wann welches Prinzip angewendet wird hängt ab von:

  • dem Leistungsstand, Fähigkeiten und Möglichkeiten des Trainierenden
  • der Position des Körpers im Raum und damit der Einwirkung der Schwerkraft
  • der Art der Übung (geschlossene oder offene kinetische Kette)

Es gibt einen Unterschied zwischen „neutralem Becken“ und „neutraler Wirbelsäule“. Letzteres ist bei jedem Menschen individuell, ein neutrales Becken jedoch immer gleich.

Ein neutrales Becken ist ein Ziel, das behutsam aufgebaut werden muss.

Corestabilität ist niemals rein statisch und verankert, das wäre nicht alltagstauglich. Wir brauchen Wechsel und Durchgangspositionen.

  • „Imprint“ darf nicht verwechselt werden mit „Compression“
  • „Imprint“ entsteht nicht durch „tuck in“
  • „Imprint“ entsteht durch „Lengthening“, „Opposition“ und „Scoop“ bzw. „effortless sinking“
  • “Imprint” und neutral wechseln sich ab
  • “Imprint” und “neutral” sollen durch “Imprint & Release” geübt werden
  • Wichtig ist das “Wiedererlernen” der “full range of Pelvic Movements”

Merke: Lerne Anatomie in der Bewegung verstehen, verstehe die Körperachsen und die Physik der Schwerkraft!

Mehr kann ich in diesem Beitrag dazu nicht schreiben, mir ist aber bewusst, dass es ein wichtiges Thema sowohl im Pilates als auch in den Barre Workout Kursen ist. Aus diesem Grund werde ich im Rahmen der Lehrerfortbildungen in naher Zukunft ein intensives Kurzseminar zum Thema „Posture & Alignment“ anbieten und verstärkt das Thema auf Kongressen aufgreifen.

Von Sten Kuth

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