Eine weitere, häufig gestellte Frage in Seminaren und Kursen ist die Frage nach der Stellung der Füße. Hier herrschen in den verschiedenen Pilates Systemen häufig konträre Ansichten.

Zunächst einmal möchte ich an dieser Stelle einmal auf die verschiedenen Begrifflichkeiten und anatomische Grundbegriffe eingehen.

Wenn wir von einem Point im Fuß sprechen so sprechen wir in der Regel von einer einer Plantarflexion im oberen Sprunggelenk. 

Eine Flex bezeichnet eine Dorsal Flexion des oberen Sprunggelenkes. 

Point und Flex können mit und ohne Unterstützung der Zehen erfolgen. Einfach ausgedrückt kann ich meine Zehen grundsätzlich bei Point und Flex mit- oder gegenbewegen oder neutral halten. Bei gut koordinierten Fußgelenken und gut trainierten Füßen können die Zehen sowohl bei Point als auch bei Flex gespreizt werden.   Je mehr die Zehen mit genommen werden desto stärker kann meist das Flexen und Pointen ausgeführt werden.  Jedoch ist im Bereich der Zehen eher weniger Mitarbeit gewünscht, da es gerade dadurch im Point zu Krämpfem kommen kann.  (Ballett)-Tänzer trainieren oft ein sehr extreme Point, wo bei auch hier die Zehen niemals gekrallt werden dürfen.  Ein guter Vergleich ist die Stellung des Fußes im Stand. Im Stand haben wir nämlich bei korrekter Gewichtsverteilung auf die 3 Punte Großzehballen, Kleinzehballen und MItte Ferse ein perfektes Flex, bei dem die Zehen flach am Boden sind. Wurden wir die Zehen anzehen, würden wir auf den Fersen stehen. 

Im Pilates kennen wir eine 3. Fußstellung, das sogenannte Soft-Point. Hierbei wird der Fuß nicht zu stark gepointed aber dennoch soweit das der Spann sich streckt, die Zehe bleiben dabei immer locker.  Manchmal wird dies Position auch als “neutral” bezeichnet. Ich persönlich mag diesen Begriff nicht, da neutral bedeuten würde dass der Fuß weder gebeugt noch getreckt wäre.

Bei Soft Point ist der Fuß jedoch mehr gestreckt (Plantar geflext). 

Wenn man sich alte Bilder von Joseph Pilates beim Training anschaut, so stellt man fest, dass er meist in Flex Stellung und oft in Soft Point Stellung gearbeitet hat.  Bei anderen Elders und auf heutigen Pilates Trainingsbildern sieht man oft mehr als Softpoint gestreckte Füße.  Besonders Lehrende und Trainierende, die aus dem Tanz kommen, haben häufig ein stärkeres Point und wenden dieses bei den Übungen auch an. 

Man erzählt sich die Geschichte, dass Joseph Pilates die Tänzer für Ihre gestreckten Füße “gehaßt” habe und das Clara meist mit den Tänzern arbeiten musste.  

Auf jeden Fall sollte man wissen, dass in der Point Stellung die Streckung des Knies für Einsteiger und Menschen mit starken Verkürzungen der Beinrückseite, Waden und der Schienbeine häufig sehr schwierig ist.  Flex Positionen können also bei der Beinstreckung sowie der Kontrolle der Beine z.B. beim Roll Up (der übrigens nie gepointed ausgeführt werden sollte, was man leider derzeit oft sieht) helfen. Außerdem ist die sogenannte V-Stellung (eine leichte Auswärtsstellung der Beine aus dem Hüftgelenk) für die meisten Teilnehmer geflext besser zu kontrollieren.  Bei Übungen, die nicht zwingend im Flex ausgeführt werden müssen, empfiehlt sich ansonsten besondgers für weniger fortgeschrittene Teilnehmer ein Softpoint, da ansonsten häufig zu viel Kraft für die Übungen aufwendet wird. 

Teilnehmer, die von natur aus einen hohen Spann haben bzw. Tänzer mit stärkerem Point korrigiere ich  in der Regel aber nur dann wenn Flex oder Softpoint aufgrund von Verletzungen, Dysbalancen oder anderer Probleme sinnvoll ist. 

Ob eine Übung in Point, Flex oder Softpoint ausgeführt wird, hängt immer vom Trainingsstand der Teilnehmer, ihren Voraussetzungen und den Trainingszielen ab und sollte immer sorgfälltig überlegt und geplant werden. 

Um die Fußstellung und die optimale Spannung und Entspannung in Fußmuskeln, der Plantarfazie und den Zehen- und Sprunggelenken zu erreichen, sollten regelmäßige Übungen zur Mobilisation, Koordination und Kräftigung der Füße ergänzend zum Training eingesetzt werden. 

Dazu hält das moderne Pilates verschiedene Methoden und Kleingeräte wie den Foot Corrector oder den Toe Tensor bereit.

Für das Training und Lösen der Plantarfaszie eignenen sich Fazienrollen, die Pilatesrolle, Tennisbälle oder Faszienbälle oder der MyoFascial Dome und ähnliches. 

In Kürze werde ich an dieser Stelle ein paar ergänzende Übungen für das Fußtraining zu Hause und vor oder nach dem Training vorstellen.

Von Sten Kuth

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